TTR-Kompendium


Hier gibt es ausführliche und leicht verständliche Erklärungen zum TTR-Wert. Außerdem werden einige Fragen diskutiert.


Allgemein

Der sogenannte TTR-Wert (TTR: Tischtennis-Rating) ist ein statistischer Wert, der das aktuelle Leistungsniveau von Tischtennisspielern widerspiegeln soll. Mit Hilfe eines solchen mathematischen Modells ist es möglich Spieler miteinander zu vergleichen, einzuordnen und z.B. eine bundesweite Rangliste zu erstellen. Die Grundlage der Berechnung des Wertes basiert auf einen am Anfang festgelegten Startwert und anschließend auf alle Spiele (Siege und Niederlagen, das Satzergebnis ist unerheblich), an denen ein Spieler ab diesem Zeitpunkt teilgenommen hat. Die zugrundeliegende Mathematik muss nicht erschöpfend verstanden werden, liefert aber ein paar interessante Schlussfolgerungen.

TTR vs. QTTR

Mathematisch gesehen sind der TTR- und QTTR-Wert gleichwertig. Allerdings ist der QTTR (QTTR: Quartals-TTR) im Gegensatz zum TTR-Wert immer jeweils für ein gesamtes Quartal gültig. Die QTTR Stichtage sind der 11.5., 11.8., 11.12. und 11.2. . D.h. der TTR-Wert ändert sich nach jeder Veranstaltung an der ein Spieler teilnimmt (ist also immer tagesaktuell), wobei der QTTR-Wert so lange gleich bleibt, bis der nächste Stichtag erreicht ist und er mit dem TTR-Wert überschrieben wird.
Diese, auf den ersten Blick evtl. unnötig aussehende Trennung, ist wichtig um einen verlässlichen Wert (QTTR-Wert) für die Mannschaftsmeldungen, oder z.B. Einordnung bei einem Turnier zu gewährleisten. Zwar ist der TTR-Wert aktueller, doch kommt es zu Inkonsistenzen, wenn Spielergebnisse verzögert eingetragen werden. Bei der QTTR-Wert-Berechnung wird durch gesetzte Fristen sichergestellt, dass alle relevanten Spiele bis zu dem Stichtag dann auch ordnungsgemäß erfasst wurden. Durch die quartalsweise Berechnung hält man den Wert möglichst aktuell, sodass dieser dann zeitlich noch zu dem aktuellen Leistungsvermögen des Spielers passt.

Berechnungsgrundlage

Der TTR-Wert wird jede Nacht und der QTTR-Wert jedes Quartal neu berechnet. Dafür werden alle Spiele der letzten 365 Tage (TTR-Wert), bzw. alle Spiele seit digitaler Ergebniserfassung (QTTR-Wert) einbezogen. So wird sichergestellt, das auch immer ältere Ergebnisse, die erst verspätet erfasst wurden, oder aus Verbänden kommen, die erst später hinzugekommen sind, mit in den Wert mit einfließen können.
Grundsätzlich ändert sich der TTR-Wert nach jeder Veranstaltung (ggF. um 0). Eine Veranstaltung ist die kleinste Berechnungseinheit und besteht aus allen Spielen, die innerhalb von einem Punktspiel (z.B. im Ligabetrieb), oder auch eines Turniers absolviert wurden. Somit hat man während einer Veranstaltung in jedem Spiel den gleichen TTR-Wert, da erst nach der Veranstaltung alle Spiele ausgewertet werden und der Wert aktualisiert wird (das Ergebnis aus dem ersten Einzel beeinflusst z.B. nicht die Berechnung im zweiten Einzel, usw.).
Der neue TTR-Wert berechnet sich aus dem eigenen TTR-Wert und den TTR-Werten aller Gegner in der jeweiligen Veranstaltung. Dabei ist die TTR-Differenz zwischen \(Spieler_A\) und \(Spieler_B\) $$\mbox{TTR Differenz}=TTR_B-TTR_A$$ in jedem Spiel maßgeblich ausschlaggebend. Damit der TTR-Wert nun statistische Aussagekraft erhält, sind folgende Überlegungen zu beachten:

  • Für einen Sieg sollte man Punkte hinzuerhalten, für eine Niederlage Punkte abgezogen bekommen.
  • Wie groß die TTR-Wert-Änderung ist sollte vom Leistungsunterschied der beiden Spieler abhängen (also von der TTR-Differenz).
    • Ist die Differenz stark negativ (ist \(Spieler_A\) deutlich besser als \(Spieler_B\)), so sollte \(Spieler_A\) von einem Sieg wenig profitieren, bei einer Niederlage aber starken Abzug erhalten.
    • Ist die Differenz sehr klein, oder sogar 0 (beide Spieler sind etwa gleich gut), so sollte es bei Sieg und Niederlage etwa gleichen mittleren Gewinn/Abzug geben.
    • Ist die Differenz sehr hoch (ist \(Spieler_A\) deutlich schwächer als \(Spieler_B\)), so sollte \(Spieler_A\) bei einem Sieg viele TTR-Punkte gewinnen, bei einer Niederlage nicht viel Abzug erhalten.
  • Die TTR-Wert-Änderung sollte begrenzt sein, damit sich statistische Ausreißer nicht zu sehr auswirken.
Die Faustregel (bis auf eine kleine Ausnahme) ist: der Verlierer einer Partie bekommt genau so viele TTR-Punkte abgezogen, wie der der Gewinner hinzubekommt. Es kommt darauf an, wie viele Siege von einem Spieler innerhalb der Veranstaltung statistisch erwartet werden (Wahrscheinlichkeit rechnerisch durch TTR-Differenz bestimmt) und wie oft er wirklich gewinnt. Gibt es mehr Siege, als erwartet wurden, bekommt man Punkte hinzu. Gewinnt man nicht so oft wie zu erwarten war, werden Punkte abgezogen. Dabei ist es dann auch egal wen genau man auf einer Veranstaltung schlägt (nicht gegen wen man gespielt hat!), denn unter dem Strich zählt nur die Anzahl der Siege und nicht gegen wen man siegt.

Schlussfolgerungen

Der TTR-Wert ist ein statistischer Wert. Dieser Wert berücksichtigt weder die Tagesform, Heimvorteil, oder das Spielsystem. Dass man zwei Spieler nicht allein durch einen Wert vergleichen kann, bzw. die Frage "welcher der beiden Spieler ist der bessere?" beantworten kann ist offensichtlich (das trifft übrigens auch auf Wettervorhersagen zu), da viele Faktoren eine Rolle Spielen, die der TTR-Wert nicht berücksichtigen kann. Trotzdem kann man versuchen das Machbare aus den Werten herauszuholen und bekommt so schon mal eine gute Annäherung, bzw. Tendenz (bei der Wettervorhersage heißt es ja auch statt "in Berlin Potsdamer Platz links vom Treppengeländer regnet es von 12:44 Uhr bis 12:59 Uhr" immer "in der Region Berlin kann es Regen geben"). Folglich gewinnt nicht jeder Spieler, der vom TTR-Wert knapp vor dem anderen liegt, automatisch das Spiel. Relevant ist die Tendenz und die Höhe des Unterschieds (100 Punkte TTR-Wert-Differenz stellen schon einen deutlichen Klassenunterschied dar). Man kann immer gegen höher eingestufte Gegner gewinnen, doch wird es mit steigender TTR-Wert-Differenz immer unwahrscheinlicher.
Zusammengefasst kann man sagen, dass auf lange Sicht der TTR-Wert relativ realistisch ist und das Leistungsvermögen gut wiedergibt (solange man nicht gegen zu viele Spieler außerhalb des TTR-Systems mit "künstlichen" Werten spielt). Lokale Verzerrungen können immer auftreten, die sich dann aber im laufe der Zeit wieder ausgleichen (Beispiel: Spieler A mit TTR-Wert 1200 verliert gegen Spieler B mit TTR-Wert 1000, weil er mit seinem unangenehmen Materialspiel gar nicht zurecht kommt. Spieler B war in dem Spiel zwar besser als Spieler A (lokal), aber das heißt noch lange nicht, dass Spieler B eine höhere Leistungsstärke als A hat. Denn hier zählt dann z.B., dass Spieler A oft Spieler mit TTR-Werten um 1100 schlägt, Spieler B aber regelmäßig verliert (global).). So spiegelt der Wert einfach nur statistisch (Genauigkeit und Robustheit gegen Störungen steigen mit zunehmender Begegnungsanzahl) wieder in welchem Niveau man sich gerade aufhält.
Der Vorteil des TTR-Systems ist, dass sich ein Wert von alleine anpasst. Gibt es nun einen Ausreißer, wird dieser nach einigen Spielen wieder geglättet (es handelt sich eben um einen statistischen Wert). Spielt der Spieler anschließend ganz normal weiter, hat aber durch einen schlechten Tag zig Punkte weniger, bekommt er für jeden Sieg wieder mehr Punkte gutgeschrieben, bzw. verliert bei einer Niederlage weniger, als hätte er die Punkte nicht verloren, da er vorerst etwas niedriger eingestuft wird. Beispiel: als Erwachsener bekommt man für einen Sieg gegen einen TTR-Wert gleichen Gegner +8 Punkte. Hat man aber durch eine Schwächephase (z.B. Verletzung die einen einschränkt) plötzlich 100 Punkte verloren, sind es aber dann direkt schon +13 Punkte für das gleiche Spiel (Bei Niederlage statt -8 nur noch -3). Natürlich wird es bei großen Sprüngen etwas dauern, bis sich der TTR-Wert wieder dem "realen" TTR-Wert, der dem Leistungsvermögen entspricht, annähert.
Leider kann man bei dem TTR-System nicht voraussagen, wie lange es dauert, bis solche Ausreißer kompensiert sind. Denn die die Formel berücksichtigt ganz heruntergebrochen die Differenz der TTR-Werte von beiden Spielern. Daher hängt es maßgeblich von den TTR-Werten der Gegner ab. Haben diese im Vergleich sehr niedrige Werte, dauert es sehr lange bis man die Punkte gut gemacht hat (da man pro Spiel nur wenig Punkte gewinnt). Haben die Gegner hohe Werte, so sind es im besten Fall nur wenige Siege und der alte Wert ist wieder erreicht.
Unter dem Strich kann man kurzfristige TTR-Änderungen im Bereich von 0-30 Punkten komplett außer Acht lassen. Wenn man sich verbessert wird sich auch zwangsläufig auch auf lange Sicht der TTR-Wert dementsprechend anpassen. Man sollte die Bedeutung des TTR-Wertes bei der Vorbereitung auf ein Spiel nicht überbewerten, aber er liefert doch eine sehr gute Einordnung.

Fragen und Antworten

Kann ein TTR-Wert auf 0 fallen und wie groß kann er werden?

Der TTR-Wert an sich ist nicht nach oben oder unten beschränkt. Wenn man die entsprechenden Gegner hat, kann man sich in jede Richtung beliebig weit entwickeln. Allerdings ist der aktuell niedrigste TTR-Wert um die 500 Punkte und der höchste um die 2600 Punkte. Selbst, wenn man bei den 2600 Punkten angekommen ist und nur gewinnt (bzw. bei 500 Punkten nur verliert), bekommt man für jedes Spiel sehr wenig Punkte (2, 1, oder gar 0), da dann alle Kontrahenten deutlich weniger (bzw. mehr) Punkte haben. Somit ist es praktisch unmöglich diesen TTR-Sektor zu verlassen (selbst bei sehr vielen Spielen). Wie weit man sich entwickeln kann hängt also auch sehr stark am Durchschnitts-TTR-Wert innerhalb der Liga / des Turniers.

Wie groß kann die TTR-Wert-Veränderung auf einmal sein?

Für eine Veranstaltung kann man theoretisch beliebig viel an TTR hinzugewinnen, bzw. verlieren. Dies liegt allein an der Anzahl der Spiele, zu denen man antritt. Für ein einzelnes Spiel jedoch gibt es ein mathematisches Limit.
Berechnung
Bei einem Sieg: $$TTR_A=TTR_A+\underbrace{\lfloor \underbrace{(1-\underbrace{P(S_A\mbox{ gewinnt gegen }S_B)}_{\in [0, 1]})}_{\in [0, 1]}*c\rceil}_{\in [0, c]}$$ Bei einer Niederlage: $$TTR_A=TTR_A+\underbrace{\lfloor \underbrace{(-\underbrace{P(S_A\mbox{ gewinnt gegen }S_B)}_{\in [0, 1]})}_{\in [-1, 0]}*c\rceil}_{\in [-c, 0]}$$ Insgesamt ist die TTR-Wert-Änderung also zwischen \(-c\) und \(c\).
Unter dem Strich ist der maximale Zugewinn, bzw. der maximale Abzug identisch mit der Änderungskonstante (\(c\)), die normalerweise den Wert 16 hat. Somit kann man im Normalfall in einem Spiel maximal 16 TTR-Punkte gewinnen, aber auch höchstens 16 TTR-Punkte verlieren.

Ab welcher TTR-Wert-Differenz gibt es die maximale, bzw. minimale TTR-Änderung?

Da der Verlust. bzw. Zugewinn an TTR-Punkten mathematisch begrenzt ist, gibt es einen TTR-Differenz-Wert, ab dem dieser maximale Verlust, bzw. Zugewinn erreicht ist. Dieser hängt von der Änderungskonstante \(c\) ab (im Normalfall ist \(c=16\)). Die folgende Tabelle gibt Aufschluss.

\(c\)TTR-Wert-Differenz
16±224
20±239
24±251
28±261
32±270
Berechnung
Durch die Rundung in der Formel ist die maximale Änderung, die \(c\) beträgt, bereits bei \(c-0,5\), bzw. \(-c+0,5\) erreicht.

Bei einem Sieg: $$\begin{array}{rcl} \left(1-\frac{1}{1+10^{\frac{TTR_{diff}}{150}}}\right)*c & = & c-0.5\\ TTR_{diff} & = & \frac{150*\ln(2c-1)}{\ln(10)} \end{array}$$ Bei einer Niederlage: $$\begin{array}{rcl} \left(-\frac{1}{1+10^{\frac{TTR_{diff}}{150}}}\right)*c & = & -c+0.5\\ TTR_{diff} & = & -\frac{150*\ln(2c-1)}{\ln(10)} \end{array}$$
Für \(c=16\) ergibt sich dann $$TTR_{diff}\approx \pm 223,7043$$ also ein Wert von ±224.

Was sind die üblichen TTR-Wert-Änderungen nach einem Spiel?

Da Spiele im Ligabetrieb meist innerhalb einer Liga und auf Turnieren meist unterteilt in Startklassen, also nahe am eigenen Leistungsspektrum stattfinden, liegen die TTR-Werte der Kontrahenten zumeist dicht beieinander. Eine TTR-Wert-Differenz von über 100 Punkten kommt dann schon eher selten vor. Haben beide Spieler sogar den gleichen TTR-Wert beträgt die TTR-Wert-Änderung 8 Punkte. Bei z.B. 50 Punkten TTR-Different gibt es noch 5 (bzw. 11, je nachdem ob der Favorit, oder der Außenseiter gewinnt) Punkte, bei einer TTR-Differenz von 100 Punkten noch 3 (bzw. 13) Punkte.

Was ist wichtig bei einer TTR-Wert Berechnung für eine komplette Veranstaltung?

Grundsätzlich darf man nicht einfach die Summe der TTR-Wert-Änderungen für die einzelnen Spiele zusammenrechnen. Dies liegt insbesondere an Rundungsfehlern. Bricht man es herunter, spielen die Anzahl der Siege (Resultat) und die Summe der Siegwahrscheinlichkeiten (erwartetes Resultat) die entscheidende Rolle. Da es jeweils Summen sind, ist es auch egal, gegen welchen Gegner man genau gewinnt, oder verliert (solange die Anzahl der Siege gleich bleibt). Es kommt z.B. auf das gleiche heraus wenn man gegen einen deutlich besseren Gegner gewinnt, aber gegen einen deutlich schlechteren verliert, wie als wenn man gegen den besseren verlieren und den schlechteren gewinnen würde. Möchte man den genauen Wert berechnen, sollte man den TTR-Rechner bemühen, der einem die Rechenarbeit abnimmt.

Wie wurden die TTR-Werte am Anfang festgelegt?

Um das System in Gang zu bringen mussten am Anfang Startwerte in einer Art Urknall festgelegt werden, da man ja noch keine Grundlage aufgrund von bisherigen Spielen hatte, bzw. die Berechnung ohne Wert keinen Sinn macht. So wurde am 01.07.2005 die erste Initialisierung vorgenommen. Dabei wurde jedem Spieler aufgrund seiner Spielklasse und Spielerposition ein fester Wert zugewiesen. Es wurden Werte zwischen 800 und 2600 vergeben (der Bereich ist mehr oder weniger frei wählbar). Die Einordnung nach aktueller Spielklasse spiegelt zwar noch nicht das wirkliche Leistungsniveau eines Spielers wieder, aber durch das statistische Modell passen sich die Werte schnell von selbst an den realen Wert an.

Wie werden TTR-Werte von neuen Spielern festgelegt?

Da es inzwischen eine gute Datenbasis an TTR-Werten gibt, wird für einen neuen Spieler nun die dynamische Einstufung vorgenommen. Dies bedeutet im Grunde, dass der Durchschnittswert aller Spieler der Liga (auf gleicher Mannschaftsposition), oder Teilnehmer auf einem Turnier (innerhalb der Startklasse) als Startwert genommen wird. Welche Startwerte in einer bestimmten Liga für die Mannschaftspositionen gelten, kann in der Ligaanalyse bestimmt werden. Anschließend wird dafür gesorgt, dass sich der TTR-Wert schneller als bei alt eingesessenen Spielern ändern kann, damit er sich möglichst bald dem realen Leistungsniveau angleicht. Dies geschieht durch eine Erhöhung der Änderungskonstante \(c\) um 4 für die ersten 30 Spiele.

Kann sich der TTR-Wert ändern, obwohl gar keine Spiele bestritten wurden?

Der TTR-Wert kann sich hauptsächlich durch zwei Faktoren ändern, obwohl keine weiteren gewerteten Spiele bestritten wurden.
Zum einen können weit zurückgelegene Spiele nachgetragen worden sein (es reicht auch wenn es nicht direkt eigene Spiele, sondern nur Spiele eigener Gegner, bzw. Gegner von diesen betrifft). Außerdem kann es manchmal vorkommen, das Ergebnisse, bzw. Daten korrigiert werden. Dies geht dann direkt in den TTR-Wert ein, sofern diese nur 365 Tage zurückliegen, ansonsten erst in den QTTR-Wert.
Zum anderen gibt es Abzüge für Inaktivität, aufgrund der Annahme, dass man an Spielstärke verliert, wenn man im Spielbetrieb aussetzt (dies gilt nur für Erwachsene, da Jugendliche grundsätzlich durch Wachstum und das reine Älterwerten an Stärke gewinnen und sich dieser Effekt dann aufhebt). Hier zählt der zusammenhängende Zeitraum, in dem ein Spieler an keinem gewerteten Spiel teilnimmt. Nach 12 Monaten erhält man einen Abzug von 40 Punkten und bei längerer Spielpause für jedes weitere Halbjahr einen Abzug von 20 Punkten. Dies ist auf 3 Jahre begrenzt, sodass der Maximale Abzug wegen Inaktivität 120 Punkte (\(3*40=120\)) beträgt. Im Gegenzug erhält man dann bei Wiederaufnahme des Spielbetriebs eine erhöhte Änderungskonstante, damit sich der TTR-Wert wieder schnell dem wahren Leistungsniveau anpassen kann.

Ist der TTR-Wert wichtig für die Mannschaftsmeldungen?

Die Mannschaften müssen grundsätzlich nach Spielstärke und somit nach QTTR-Wert aufgestellt sein. Dabei zählen die QTTR-Werte aus dem Mai (Vorrunde) und aus dem Dezember (Rückrunde). Sollte dies nicht beachtet werden, erhält der stärkere Spieler, der hinter Schwächeren aufgestellt wurde einen Sperrvermerk (Ersatzspielverbot). Allerdings gibt es dabei Toleranzen, sodass man noch einigen Spielraum bei der Mannschaftszusammenstellung hat. Innerhalb einer Mannschaft beträgt die Toleranz 35 und mannschaftsübergreifend 50 QTTR-Punkte. Wenn zwei Spieler also höchstens 35 Punkte auseinander liegen, kann der Verein die Aufstellungsreihenfolge frei wählen. Ein Spieler darf maximal 50 Punkte besser sein als jeder Spieler der höheren Mannschaft, um ohne Sperrvermerk in der tieferen Mannschaft gemeldet zu werden.

Bleibt ein Sperrvermerk aus der Hinrunde auch für die Rückrunde bestehen?

Grundsätzlich gilt ein Sperrvermerk für die gesamte Spielzeit (Vor- und Rückrunde). Allerdings wird dieser zur Rückrunde aufgehoben, wenn der QTTR-Wert (Dezember) des Spielers um mindestens 50 Punkte kleiner ist, als die Werte aller in der Vorrunde höher gemeldeten Spieler (und alle Werte vergleichbar sind).

Was ist die Änderungskonstante genau?

Über die Änderungskonstante kann man justieren, wie stark sich eine TTR-Wert-Veränderung auswirkt. Bei einem erwachsenen Spieler, der regelmäßig an Punktspielen teilnimmt und nicht längere Zeit ausgesetzt hat, beträgt die Änderungskonstante \(c=16\). Die verschiedenen möglichen Werte lassen sich der folgenden Tabelle entnehmen.

\(c\)Erklärung
16Grundwert
+4für eine Dauer von 15 Spielen, falls der Spieler in den letzten 365 Tagen an keinem gewerteten Spiel teilgenommen hat
+4falls die Gesamtzahl an gewerteter Spiele eines Spielers unter 30 liegt
+4wenn der Spieler unter 21 Jahre alt ist
+4wenn der Spieler unter 16 Jahre alt ist
Grafik
Die TTR-Wert-Veränderung mit den verschiedenen Werten der Änderungskonstante für Sieg, bzw. Niederlage.
Im Normalfall ist \(c=16\), im Extremfall (z.B. bei einem Jugendlichen unter 16 Jahren, der gerade mit offiziellen Punktspielen anfängt) kann die Änderungskonstante auch bis \(c=32\) gehen. Eine hohe Änderungskonstante führt dazu, dass sich der ggF. unrealistisch gesetzte Startwert sich sehr schnell dem realen Leistungsniveau anpasst. Da die Änderungskonstante für die beiden Spieler eines Spieles durchaus unterschiedlich sein kann, bildet dies die Ausnahme bei der Faustregel, dass der Gewinner genau so viele Punkte hinzubekommt, wie der Verlierer abgezogen bekommt.

Günstige und ungünstige Ergebnisse?

Grundsätzlich ist es gut viel zu gewinnen und wenig zu verlieren. Am schnellsten holt man Punkte, indem man oft gegen Gegner gewinnt, die einen deutlich höheren TTR-Wert haben, als man selbst (100 Punkte Differenz geben ordentlich Auftrieb und stellen schon einen Klassenunterschied dar). Natürlich müssen die TTR-Werte der Gegner nach den ersten Siegen auch steigen, da man anschließend sonst nicht mehr so sehr profitiert. Sollte man gegen gute Gener verlieren ist das nicht ganz so schlimm, da der Punkteverlust sehr überschaubar bleibt.
Im Gegensatz dazu ist es schlecht gegen sehr viel schwächere Gegner zu verlieren. Hier drohen große Punkteverluste.
Unter dem Strich ist es aber schwierig sich durch reine Taktiererei einen punktemäßigen Vorteil zu verschaffen. Durch den statistischen Ansatz des TTR-Wertes gleichen sich solche Veränderungen über eine hohe Anzahl von Spielen wieder aus. Natürlich kann man sich in einer deutlich schwächeren Liga melden, in der man fast alle Spiele gewinnen wird und nur Pluspunkte sammelt, doch fallen diese dann sehr überschaubar aus und sind nur mit einem schlechten Spiel (z.B. an einem schlechten Tag gegen einen unangenehmen Gegner) schon wieder komplett verloren. Andersherum bringt es nichts sich in einer deutlich zu starken Liga zu melden, da zwar große TTR-Zugewinne winken, diese aber relativ unwahrscheinlich sind. Um sich also entscheidend (mehr als 50 TTR-Punkte) weiterzuentwickeln, heißt es fleißig Trainieren und den Spaß am Tischtennissport erhalten, denn dieser steht deutlich vor dem manischen Sammeln von Punkten. Der TTR-Wert folgt ganz automatisch (trotz möglicher zwischenzeitlicher Ausreißer (eine Tendenz sollte man immer auf mehrere Monate auslegen)) dem eigenen Leistungsniveau und man sollte nicht nur auf die Hoffnung auf seine TTR-Wunschvorstellungen verharren, sondern einfach zum Schläger greifen.

Haben Turnierspieler einen Vorteil?

Grundsätzlich ist die Anzahl der Spiele der Spieler, die an Turnieren zusätzlich zum Ligabetrieb teilnehmen, höher als bei anderen. Das bedeutet aber nicht, dass man einen schlechten TTR-Wert nach einer schlechten Saison automatisch mit einer Turnierteilnahme ausgleichen kann. Statistisch gleicht sich der TTR-Wert dem realen Leistungsniveau des Spielers an, je häufiger er spielt.
Natürlich gibt es aber einen Effekt, den man nicht ganz vernachlässigen darf: die Veranstaltung eines Turniers umfasst meist mehr Spiele, als das eines Punktspieles im Ligabetrieb. So kann man auf einem Turnier viele Spiele mit dem gleichen TTR-Wert bestreiten, ohne dass dieser wie im Ligabetrieb nach maximal jedem zweiten Spiel neu berechnet wird. Startet man so mit einem Wert, der deutlich unter seinem Leistungsniveau liegt, kann man sich auf einem Turnier sehr viel schneller verbessern, als in aufeinanderfolgenden Punktspielen, nach denen jeweils der eigene TTR-Wert steigt und den TTR-Punktegewinn beim nächsten Spiel verringert. Allerdings gilt auch dabei wieder, dass das Ganze auch nach unten hin passieren kann und sich aber der TTR-Wert sich langfristig so nicht entscheidend in die Höhe treiben lässt.
Aufgrund dieser Tatsachen gibt es immer wieder Spieler, die ihren TTR-Wert durch absichtliches Verlieren im Ligabetrieb künstlich nach unten treiben, um dann in einer niedrigeren Startklasse antreten zu können, um ihre Chancen zu erhöhen. Dies ist dann aber kein Fehler des Systems, sondern einfach unsportliches Verhalten, was langfristig TTR-mäßig einen nicht voran bringt, man sich aber bei Mannschaftskollegen und anderen Spielern unbeliebt macht.
Praktisch gesehen, hat man aber auf Turnieren keinen systematischen Vorteil.

Was ist der Nachwuchsausgleich?

Da Jugendliche Spieler durch reines Wachstum und Älterwerden an Spielstärke gewinnen, erhalten sie am Ende des Quartals (unabhängig von der Anzahl von Spielen) einen Quartals-Nachwuchs-Spielstärkezuwachs von 6 TTR-Punkten hinzuaddiert. Das macht dann einen Bonus von 24 Punkte pro Jahr. Diesen Nachwuchsausgleich gibt es bis zum Alter von 18 Jahren. In dem Quartal, in dem der Spieler das 18. Lebensjahr vollendet (in dem er 18. wird), gibt es erstmals keinen Bonus mehr.

Was hat ein Stern hinter dem QTTR-Wert zu bedeuten?

Ein Stern hinter einem Wert deutet an, dass dieser Wert noch nicht als vergleichbar gilt. Dies ist der Fall, wenn der Spieler noch nicht an mehr als 10 gewerteten Spielen teilgenommen hat. Der Wert entspricht somit evtl. noch nicht seinem wahren Leistungsniveau und muss sich noch weiter anpassen. Diese Spieler müssen z.B. bei der Mannschaftsaufstellung nicht zwangsläufig bei den Regeln zur Reihenfolge beachtet werden.

Inwiefern werden Spiele berücksichtigt, die außerplanmäßig gelaufen sind?

Als Faustregel gilt, dass alle Spiele in die TTR-Wertung mit einfließen, die auf dem Schiedsrichterzettel stehen, auch wenn ein Spieler die Konkurrenz vorzeitig beendet (z.B. durch Aufgabe, oder Disqualifikation).

Gewertet werden:
  • begonnene Einzel (auch wenn danach die Veranstaltung aufgegeben wird)
  • nicht begonnene Einzel (wenn die Veranstaltung danach fortgesetzt wird)
  • nicht begonnene Einzel vor einer Aufgabe (z.B. bei Nichtantreten)
  • gespielte Einzel von Spielern, die nachträglich aus der Wertung genommen werden (z.B. fehlende Spielberechtigung), werden wie gespielt gewertet
  • gespielte Einzel, die nach einem Regelverstoß (z.B. unzulässiges Material) umgewertet wurden: diese werden wie gewertet berücksichtigt
Nicht gewertet werden:
  • nicht begonnene Einzel nach Veranstaltungsaufgabe

Inwiefern werden Spiele berücksichtigt, die innerhalb außerplanmäßig gelaufen Mannschaftswettkämpfen stattgefunden haben?

Gewertet werden:
  • Einzel aus Spielen mit im Nachhinein zurückgezogenen Mannschaften
  • Einzel aus Spielen mit im Nachhinein gestrichener Mannschaften
  • Umgewertete Spiele wegen Regelverstoß (z.B. falsche Doppelaufstellung), werden wie gespielt gewertet
  • Einzel, bei denen ein namentlich aufgeführter Einzelspieler aufgegeben hat
  • Einzel, bei denen ein namentlich aufgeführter Einzelspieler auf ein Spiel verzichtet hat
  • Einzel, die aufgrund eines Regelverstoßes umgewertet wurden, werden wie gewertet berücksichtigt
Nicht gewertet werden:
  • Einzel aus Spielen, die kampflos wegen Nichtantreten der Mannschaft gewertet wurden

Mathematik

In diesem Abschnitt soll die hinter dem TTR-Wert liegende Mathematik mit den dazugehörigen Formeln aufgezeigt werden. Für das allgemeine Verständnis und den praktischen Umgang ist dies aber nicht ganz so wichtig, da der TTR-Rechner die Arbeit abnimmt.

Spezialfall Einzelspiel

Treten die Spieler \(S_A\) und \(S_B\) mit den zugehörigen TTR-Werten \(TTR_A\) und \(TTR_B\) gegeneinander an, so ergibt sich für \(S_A\) die Gewinnwahrscheinlichkeit $$P(S_A\mbox{ gewinnt gegen }S_B)=\frac{1}{1+10^{\frac{TTR_B-TTR_A}{150}}}$$
und der neue TTR-Wert mit Änderungskonstante \(c\in\{16, 20, 24, 28, 32\}\) von $$TTR_A=\begin{cases}TTR_A+\lfloor (1-P(S_A\mbox{ gewinnt gegen }S_B))*c\rceil & , \mbox{bei einem Sieg}\\ TTR_A+\lfloor -P(S_A\mbox{ gewinnt gegen }S_B)*c\rceil & , \mbox{bei einer Niederlage}\end{cases}$$

Allgemeine Berechnung für eine Veranstaltung

Hat nun ein \(Spieler\) mit TTR-Wert \(TTR_{Spieler}\) auf einer Veranstaltung gewertete \(Spiele=Siege\cup Niederlagen\) gegen \(Gegner\) mit zugehörigem TTR-Wert \(TTR_{Gegner_i}\) durchgeführt, so berechnet sich sein neuer TTR-Wert wiefolgt $$TTR_{Spieler}=TTR_{Spieler}+\left\lfloor \left(\sum\limits_{Siege}{1}-\sum\limits_{Gegner_i\in Gegner}{P(Spieler\mbox{ gewinnt gegen }Gegner_i)}\right)*c\right\rceil$$ wobei wieder \(c\in\{16, 20, 24, 28, 32\}\) und $$P(Spieler\mbox{ gewinnt gegen }Gegner_i)=\frac{1}{1+10^{\frac{TTR_{Gegner_i}-TTR_{Spieler}}{150}}}$$ gilt.